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MONTBLANC
MONT BLANC 2000
Seit 12 Jahren kämpft Mountain Wilderness für den Schutz des Mont Blanc.
"Denn Kailash zu besteigen ist selbst
für den ehrgeizigsten Höhenbergsteiger ein Tabu. Und am Olymp konnte
Mountain Wilderness einen geplantes Skigebiet verhindern. Gleichzeitig
verkommt der höchste Gipfel der Alpen mehr und mehr zu einem Fun
Park." Berkley Professor Edwin Bernbaum brachte die
Widersprüchlichkeit des Hochgebirgsschutz auf den Punkt. Der langjährige
Mountain Wilderness Aktivist war extra aus Kalifornien eingeflogen um im
Rahmen der diesjährigen Aktionstage "Mont Blanc 2000" sein
neues Buch "Sacred Mountains of the World" in einem
hervorragenden Vortrag vorzustellen.
In den vergangenen Jahren versuchte die Alpenschutzorganisation Mountain
Wilderness mit spektakulären Aktionen den überfälligen Schutz des Mont
Blanc in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen: Eine Stafette
führte von Turin aus zum Gipfel, das Massiv wurde in einer Volkswanderung
umrundet und am höchsten Punkt wurde letztes Jahr sogar ein Mahnfeuer
entzündet.
Im Juli 2000 stand hingegen inhaltliche Informationsarbeit im Vordergrund:
Auf drei Themenbezogenen Wanderungen wurde gezeigt, dass die Bewahrung des
Hochgebirges auch im Dreiländereck keine Utopie sein muss. Sowohl an den
Aiguilles Rouges nördlich von Chamonix als auch am Hochplateau der Platé
de Desert wurden in jüngster Zeit Schutzgebiete ausgewiesen, durch die
eine Erweiterung von Skigebieten verhinderten werden konnte.
Was liegt also näher, als einen Naturpark-Verbund mit dem Mont Blanc
Massiv zu schaffen? Zumal im Süden mit dem Gran Paradiso Nationalpark ein
weiteres Schutzgebiet angrenzt. Doch wie meistens, sind es wirtschaftliche
Interessen, die ein wirksames Schutzkonzept verhindern.
Auf der eine Seite will die CIAPM (Comité international des Associations
pour la Protection du Mont Blanc) bestehend aus Umweltschutz- und
Alpinorganisationen, ein Naturreservat durchsetzten, das seinen Namen auch
verdient.
Allenfalls einen Alibi Schutzpark zu errichten, ist hingegen das Ziel der
CTMB (Conferénce Transfrontalière Mont Blanc). Dort haben sich Gemeinden
und Tourismuswirtschaft zusammen geschlossen. Schließlich ist der
höchste Berg der Alpen eine weisse Ikone, die sich perfekt vermarkten
lässt. Das Helikopterlandeverbot auf dem Gipfel wird für Filmaufnahmen
für einen James Bond Streifen schon mal ausser Kraft gesetzt; die
bizarren Eisbrüche von Argentiere- und Boussongletscher für die
Touristen nachts vom Tal aus angestrahlt.

Die diesjährigen Vorträge und Wanderungen
erfreuten sich großen Interesses bei Einheimischen und Gästen. Auf einer
MW- Podiumsdiskussion zum Thema Transitverkehr wagte sich Chamonix´
Bürgermeister dann sogar in die Höhle des Löwen. Und erwies sich als
ausgefuchster Lokalpolitiker. Der als Hardliner der Tourismuslobby
bekannte Michele Charlet gab sich plötzlich als größter Gegner der
Wiedereröffnung des Mont Blanc Tunnels. Ihm war natürlich nicht
entgangen, dass die Mehrheit der Bevölkerung seit der Schließung nach
dem tragischen Tunnelbrand im wahrsten Sinne des Wortes aufatmet.
Vorwürfe bezüglich des Mont Blanc gibt er in bekannter Politiker Manier
einfach weiter. So sei nicht er dafür verantwortlich, dass an manchen
Tagen bis zu 50 Flugbewegungen pro Stunde im Tal zu verzeichnen sind.
Schließlich sei es nicht seine, sondern Aufgabe der Polizei, die
Flugverbote am Gipfel zu überwachen. Und zum Abbau der Seilbahn über dem
Valée Blanche angesprochen, schiebt er die Zuständigkeit über die
Grenze: "Ich persönlich habe nichts dagegen. Bezahlen müssen das
aber die Italiener."
Und mit genau dieser Forderung begann vor 12 Jahren die Kampagne am Mont
Blanc: 1988 kletterte kein geringerer als Rheinhold Messner im
Morgengrauen auf einen Träger, der über das sagenhafte Valée Blanche
führenden Seilbahn und fixierte ein riesiges Transparent. Mehr als 3
Stunden brauchten die Betreiber damals um das Banner zu entfernen, auf dem
die Alpenschutzorganisation MOUNTAIN WILDERNESS den Abbau des ökologisch
wie ökonomisch höchst unsinnigen Stahlungeheuers forderte.
Derzeit wird in den Alpen aber mehr über den Neubau als um die Entsorgung
alter Liftanlagen debattiert. Eine neue Erschliessungswelle brandet wie
überall zwischen Nizza und Wien auch an den Sockel des ehrwürdigen
Berges. Deshalb führte die letzte Themenwanderung zum Col de Balme, wo
von Schweizer Seite aus neue Liftanlagen geplant sind. Und zum Abschluss
gab es dann doch noch eine kleine Demo: Am Gipfel prangte das gelbe
MW-Banner, Infobroschüren wurden verteilt und den anwesenden
Behördenvertretern ins Gewissen geredet. Denn diese erhalten für die
Planung des Naturparkes kontinuierliche Zahlungen Brüssel. Wenn
wundert´s also, dass man sich hierbei viel, viel Zeit lässt?

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